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Freiarbeit oder freie Arbeit nach Montessori


Der in der Schul- und Förderpraxis geläufigere Name Freiarbeit besteht nach Montessori nicht nur aus methodischen Gesichtspunkten, sondern wird immer in Verbindung mit Lernen unter bestimmten Bedingungen gesehen.

Montessori selbst hat den Begriff Freiarbeit nie verwendet. Der Begriff hat sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt - Montessori bevorzugte den Begriff der "freien Wahl". Sie verstand unter "freier Arbeit" ein auf die gesamte Arbeitssituation der Kinder bezogenes Lernen in größtmöglicher Selbstbestimmung. Sie gesteht den Kindern größte Freiheit in Bezug auf Interesse, Kooperation und Zeiteinteilung zu.
Dennoch entspricht der Begriff der Freiarbeit genau dem, was mit ihm bezeichnet wird: Freiarbeit räumt Kindern die Möglichkeit ein, ihre Arbeit und ihre Beschäftigung völlig frei zu gestalten.

Die Kinder haben die Freiheit ihre Aufgaben und Ziele selbst zu wählen. Montessori traute ihnen zu, dass sie sich selbst bestimmte Aufgaben und Ziele zu eigen machen und in eigenem Arbeitstempo und auf individuellem Lösungsweg auch erreichen.
Von ihnen wird dabei erwartet, dass die selbst gewählte Aufgabe bearbeiten und nicht grundlos beenden.
Das wie, wann und mit wem der Arbeit jedoch dürfen die Kinder in großem Maße selbst bestimmen.

Die Zeiteinheit ist hauptsächlich von der Altersstufe und von der Art der gestellten Aufgabe abhängig. Mit dem Älterwerden nimmt auch die Zeitdauer der zu bearbeitenden Aufgabe zu.
Durch die immanente Fehlerkontrolle der gelösten Aufgaben erhalten die Schüler die Möglichkeit der sofortigen Rückmeldung über ihren individuellen Lernerfolg. Diese sofortige Selbstkontrolle fördert somit auch die Motivation. 

Mitschüler oder die Lehrkraft können immer als Berater zu Rate gezogen werden.

Dringend notwendig ist auch die Rückmeldung über Qualität und Quantität der Arbeit bei der Lehrkraft. Nur so kann sie den Überblick über die verrichtete Arbeit und den Leistungsstand der Kinder behalten.

Während der Freiarbeit ist die Freiheit der Kooperation von entscheidender Bedeutung. Der Schüler kann entscheiden, ob er in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit die gestellte Aufgabe bearbeiten möchte.

Weinhäupl klärt in diesem Zusammenhang ein mögliches Missverständnis: "Eine Montessori-Schule gibt den Schülern nur sehr wenig inhaltliche Wahl. Die Schüler können nicht wählen, was sie lernen wollen. Es gibt ein Programm, und das ist genau vorgeschrieben. [...]. Die Idee, dass unsere Schüler lernen dürfen was sie wollen, ist ein grundlegendes Missverständnis, ein Vorurteil, das man leider noch immer hört. Selbstverständlich geben wir unseren Schülern innerhalb des Rahmens der Kultur soviel Freiheit wie möglich, aber nur innerhalb dieses Rahmens. Das soll man gut verstehen. Viel mehr Wahlmöglichkeiten gibt die Form des Unterrichts. Wenn die Totalität der Aufträge einmal deutlich festliegt, dürfen die Schüler selbst wählen, wie sie arbeiten, wann und wo sie arbeiten, mit wem sie arbeiten und wen sie um Hilfe fragen".