Freiarbeit - was ist das eigentlich?

 

Die Freiarbeit ist eine bestimmte Unterrichtsmethode und gehört wie der Projektunterricht oder die Wochenplanarbeit zu den Konzepten des Offenen Unterrichts. 
Die Freiarbeit als Unterrichts- und Lernform basiert auf dem Menschenbild und den Konzepten der Reformpädagogik  und entwickelte sich  aus dem Bestreben, neue Lehr- bzw. Lernformen  für einen kindgerechteren Unterricht zu finden.  
Im Zentrum aller Ansätze steht das Bestreben, Lernenden ein großes Maß an Selbstbestimmung und Eigenverantwortung zuzugestehen.
Freiarbeit hat zwei Ursprünge: Einerseits die Freinet-Pädagogik als klassischen, reformpädagogischen Ansatz, andererseits bestimmte Ansätze zum Schrift­spracherwerb, die Freinets Konzeption weiter entwickelt haben.

Auch Maria Montessori (1870-1952), Ärztin, Professorin für Anthropologie und Pädagogik in Italien, hat einen Ansatz zur Freien Arbeit entwickelt. Sie begründete die heute noch weit verbreitete „Montessori-Pädagogik“. Bei ihr wird die Freiheit des Arbeitsprozesses aber durch einen ganz exakt beschriebenen Rahmen begrenzt. Unserer Meinung nach ist somit kritisch zu hinterfragen, wie frei diese Arbeit wirklich ist.

Allen Ansätzen gemeinsam ist die Leitidee, dass der Schüler nicht wegen des Lernstoffes, sondern um seiner selbst und der Gestaltung seiner eigenen Persönlichkeit willen lernt.

Das Konzept der Freien Arbeit wurde erst nach dem zweiten Weltkrieg in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder aufgegriffen und findet heute vor allem in der Freinet-Pädagogik und im Offenen Unterricht Anwendung.
Anfangs wurde es noch vorwiegend in privaten Schulen angewandt. Heute findet die Freiarbeit sich auch in einigen Regelschulen Anwendung - vorwiegend jedoch im Primarbereich.
Insgesamt erscheint sie als Methode im deutschen Sprachraum noch unterrepräsentiert.

Das Ziel der Freiarbeit


Ziel der Freien Arbeit ist es, das selbst­verant­wortliche Lernen und die sozialen Interaktionen zu fördern.
Jedes Kind, so die Annahme, hat seinen eigenen Arbeitsrhythmus und eigene Interessen. In der Freiarbeitsphase dürfen Kinder deshalb im Rahmen des Unterrichts ihre Arbeit frei wählen.
Die Kinder holen sich die für die jeweilige Arbeit nötigen Materialien, die im Klassenraum zur Verfügung stehen, selbst und arbeiten dann mit anderen Kindern nach eigener Wahl zusammen. Mithilfe dieser Arbeit können die Kinder Konzentration und Selbstdisziplin entwickeln.
Freiarbeit ermöglicht es den Lernenden, eigene Lernwege zu finden und ihre eigene Lernbiografie selbst stärker zu gestalten. Es geht somit nicht nur um inhaltliche Aspekte des Lernens. Die Kinder lernen vielerlei, das weit über den "Inhalt" der Aufgabe hinaus geht:
vom Entscheiden und Auswählen, von Initiative und Kreativität über Zusammenarbeit mit anderen und Umgang mit verschiedensten Materialien, bis hin zum Durchhalten und konzentriert bei der Sache bleiben; den konstruktiven Umgang mit Fehlern und Selbstreflexion ... wir könnten diese Liste beliebig lang fortsetzen!

Die Freiarbeit ist selbstgewählte Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit mit speziell für die Freiarbeit konzipiertem Lernmaterial.

Jedes Kind bestimmt dabei sein eigenes individuelles Lerntempo.
Hier ist nicht mehr in erster Linie die Lehrktaft für Planungs- und Entscheidungsprozesse verantwortlich. Sie übernimmt eher die Rolle eines Beraters und Begleiters. Hierarchische Strukturen in der Beziehung Lehrer-Lerner können durch diese Rollenverteilung (teilweise) aufgelöst werden.

Nach welchen Regeln funktioniert Freiarbeit?


Die Kinder führen zum Teil sehr unterschiedliche Aufgaben nebeneinander aus.
Freiarbeit kann in unterschiedlichen Organisationsformen angeboten werden: es gibt Materialien für die Freiarbeitsecke, Lernen an Stationen bzw. Lernzirkel, Lerntheken, Lernwerkstätten ...
Damit dies funktioniert, bedarf es fester Regeln. Die Schüler dürfen festlegen, mit wem sie arbeiten, dürfen dabei aber niemanden stören. Sie dürfen jedes Material aus den Schränken   nehmen, müssen es aber wieder an den Platz zurückräumen. Sie dürfen die Reihenfolge ihrer Aufgaben selbstständig festlegen. Am Freitag muss der Wochenplan fertig sein. Wichtig ist, dass während der Freiarbeitszeit wirklich gearbeitet wird. Um die Ziele dieser Methode erreichen zu können, ist eine sorgfältige Vorbereitung hinsichtlich der Her- und Bereitstellung von Arbeitsmitteln, Inhalten, der Gestaltung des Klassenraums sowie ein kooperatives Verhalten im Kollegium unbedingt notwendig!

Was ist der Unterschied zwischen den Unterrichtsformen „Freiarbeit“ und „Projektarbeit“?


In der Freiarbeit sind im  Wesentlichen sind Lesen, Rechnen und Schreiben Gegenstand dieses Unterrichts.
Der Projektunterricht ist ganzheitlicher Unterricht. Alle Fächer der Grundschule fließen in ein Thema ein und werden komplex behandelt. Die Projekte werden über das gesamte Schuljahr angeboten und laufen jeweils über mehrere Wochen.



Wie behält man in der Freiarbeit den Überblick, wer was kann? Gibt es so etwas wie Noten?


Selbstverständlich wird die Entwicklung der Kinder begleitet, beobachtet und regelmäßig dokumentiert. Dazu führen die Lehrkräfte ausführliche Beobachtungsbögen, die alle Lernbereiche bzw. den Fächerkanon der Grundschule entsprechend des jeweiligen Schulgesetzes des Bundeslandes abdecken und in einzelne Lernschritte aufgeschlüsselt sind. Diese detaillierten Beobachtungen sind Grundlage für die mündlichen Rückmeldungen, die Kindern und Eltern in regelmäßigen Gesprächen gegeben werden. Zudem fließen sie ein in die schriftlichen Rückmeldungen über die Entwicklungsprozesse der Kinder, die sogenannten "Entwicklungsberichte", die am Ende eines jeden Schuljahres verfasst werden. Diese können bei Bedarf (z.B. Schulwechsel) in Ziffernnoten umgewandelt werden.

Was sind die Vorteile der Freiarbeit?


Freiarbeit als Methode basiert auf der Grundannahme, dass Kinder lernen wollen und dies auch eigenständig tun können. Wenn Lernen als selbstbestimmte Konstruktion von Wissen und nicht als fremdbestimmte Übertragung des Wissens von einer Person auf die andere begriffen wird, dann muss Freiarbeit insbesondere auf die Eigenständigkeit der Lernenen und ihre freie Wahl der Lerngegenstände und Lernformen etc.. Dieses aktive, Interessen geleitete Tätigsein wird im Unterricht durch die Methode der Freien Arbeit ermöglicht. Die Freiarbeit gewährleistet ein individuelles Arbeiten der Schüler und begegnet somit der Gefahr eines gleichschrittigen Unterrichts, der Unter- oder Überforderung der Lernende und der Lebensferne, da an bereits vorhandenes Wissen und Fähigkeiten angeknüpft wird.
Im Prozess des Freien Lernens entdecken die Schüler eigenständig, welche Informationen, Wissensvorräte, Lernstoffe usw. ihnen zur Bewältigung ihrer Arbeitsaufgabe fehlen und wenden sich dabei auch bereits gelerntem Stoff wieder zu.
Sie lernen also nicht linear, sondern pendelnd oder kreiselnd.
Freiarbeit trägt ebenfalls zur Persönlichkeitsentwicklung bei, da sie wichtige Kompetenzen übt, wie z.B. Selbstständigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Eigenverantwortlichkeit, Einschätzen eigener Fähigkeiten, Reflektieren der Konsequenzen des eigenen Handelns, Selbstkontrolle, Erfahren eigener Grenzen.


Gibt es Nachteile der Freiarbeit?



Unserer Meinung nach gibt es keine Nachteile, sondern vielmehr ganz konkrete Gefahren nicht sachgemäßer Umsetzung von Freiarbeit im Offenen Unterricht.

Bei Freinet, Montessori, Petersen und anderen Reformpädagogen wurde bereits erkannt, dass der Unterricht die Interessen der Schüler umfassend einbeziehen muss. Eigen­ständigkeit, Mitbestimmung und Planungsbeteiligung dienen aber nicht bloß dem Zwecke des individualisierten Lernangebots. Als Lernerfolg gilt auch, wenn der Lernende zur Kom­munikation und Zusammenarbeit mit den restlichen am Lernprozess Beteiligten befähigt wird. Diese Komponente steht insbesondere bei Freinet mit der Wissensvermittlung auf einer Stufe und darf in der Unterrichtsplanung nicht fehlen.
Das Schulsystem ist in Deutschland ist aber momentan noch überwiegend traditionell ausgerichtet. Es erzieht den Lernenden eher zu einem Individual­kämpfer als Teamgeist oder Gruppenarbeit zu fördern und einzufordern.

Bleiben Teamgeist und wechselseitige Unterstützung als Bildungsideal jedoch unberücksichtigt und ungeübt, ist die Realisierung einer Lernlandschaft mit einem facettenreichen Lernangebot nicht denkbar.
Um frei arbeiten zu können, müssen gemeinsam Ordnungsregeln gefunden und vereinbart, mit denen die organisa­torische Selbstständigkeit gfördert und gewährleistet werden.

Der Unterrichtsprozess mündet in ein Chaos, wenn die Kompetenz zur Zusammenarbeit weder vorhanden ist noch geschult wird!
In jedem Fall ist die Freiarbeit in Vorbereitung und Durchführung arbeits­intensiver und zeitaufwändiger als ein allein inhalts- und reproduktionsorientierter  Unter­richt. Hier muss die Lehrkraft eine neue Lernumgebung mit einem reichen Angebot an vorbereiteten Materialien schaffen.
 



Was ist Wochenplanarbeit?
Was ist eine Lerntheke? 
Was ist Lernen an Stationen oder ein Lernzirkel?
Was ist eine Lernwerkstatt?
Was ist Projektunterricht?

Literaturliste zum Thema Freiarbeit













Sie wollen Feuer entfachen?




Sie wollen flexibel und heterogen zusammengesetzte Lerngruppen individuell fördern?


Sie brauchen passgenaue Lernangebote!

Sie brauchen Materialien, die unterschiedliche Lernvoraussetzungen Ihrer
Kinder berücksichtigen!
 


Deshalb stellen wir digitale Materialvorlagen her.




Die erlauben Ihnen – im Gegensatz zu Printmedien – eine weitere, individuelle Bearbeitung der erworbenen Materialien. Hergestellt in Microsoft Word lassen sich alle Dateien bei Bedarf beliebig bearbeiten und damit weiter individualisieren.


Inhaltlich liegt unser Schwerpunkt auf der Entwicklung haltbarer und immer wieder einsetzbarer Materialien für die Hand der Kinder.


Mit ihnen können Sie  ohne großen Zeitaufwand eine ständig wachsende Lernumgebung nach eigenen Vorstellungen schaffen. Sie können individuell fördern und den Kindern eine Lernbiographie ermöglichen, die ihrer jeweiligen Ausgangslage und Entwicklungsrichtung entspricht.